Tiergestütztes Arbeiten an der Theodor Heuss-Realschule

 

Es gibt nichts Schöneres als geliebt zu werden,

geliebt zu werden seiner selbst willen,

oder vielmehr trotz seiner selbst“

(Victor Hugo Französischer Schriftsteller)

 

Wie alles Begann:

Zusätzlich zu meinen Erlebnis-und Freizeitpädagogischen Methoden und Angeboten an der Schule habe ich seit dem personellen Wechsel der Schulsozialarbeit im Schuljahr 20013/2014 meine Labradorhündin Luna eingesetzt und diese, soweit inhaltlich und themenbezogen passend, in die Arbeit mit integriert. Da Luna leider seit Februar 2016 an Knochenkrebs erkrankt ist, habe ich mich entschieden überlappend einen Welpen dazu zu nehmen. Flocke ist ein Labradoodle und nun 6 Monate alt. Grundlage und Hintergrund der Anwendung der Methode ist u.a. eine Zusatzausbildung im Bereich „Soziales Lernen mit Tieren“ von 2008 bis 2010 (einhergehend mit der Veröffentlichung einer empirischen Untersuchung vom Einsatz des Hundes und deren Effekte in der Sozialen Arbeit am Beispiel Mobiler Jugendarbeit in Baden-Württemberg) und der vorherige Einsatz meiner damaligen Neufundländerhündin Balu, seit 2008 mit meiner Labrador Hündin Luna.

Durch die „Tiergestützte Pädagogik“ sollen u.a. durch den gezielten Tiereinsatz (hier der Hund), Lern-oder Trainingseffekte im pädagogischen Bereich wie z.B. der Persönlichkeits-und Sozialentwicklung unterstützt werden.

Der Einsatz von Tieren reicht bis ins Jahr 1792 zurück. In der Zwischenzeit ist die tiergestützte Therapie bzw. Pädagogik ein interdisziplinärer Berufs- und Wissenschaftszweig der sich in Deutschland etabliert hat und der Einsatz von Tieren, im speziellen von Hunden, an Schulen gewinnt immer mehr an Bedeutung.

 

Warum setzte ich Luna ein? Was sind die Effekte des „Tiergestützten Arbeiten“?:

Neben den Physischen und physiologischen Effekten, stehen für mich im Einsatz von Luna und Flocke vor allem die sozialen und mentalen/psychologischen Wirkungen im Vordergrund. Diese sind u.a.:

  • Übernahmen von Verantwortung (z.B. Versorgung des Hundes, „artgerechter Umgang“ mit dem Hund)

  • Erlernen von Empathie und Rücksichtnahme (Nur bei „artgerechtem“ Umgang kann Luna und Flocke z.B. in der Klasse oder bei Ausflügen dabei sein)

  • Spiegel meiner Person und meines Verhaltens (Im Umgang mit dem Hund werde ich für die Kinder und Jugendlichen erlebbar und einschätzbar)

  • Spiegel der Klassensituation (Hund wird nervös wenn die Klasse laut ist, Hund entspannt sich wenn sich die Klasse ebenso ruhig und entspannt verhält)

  • Kontaktvermittler und Eisbrecher/Türöffner (Erleichterung der Kontaktaufnahme durch positiven Kontakt, Kontakt über Hund ist erst einmal unverbindlich)

  • Vermittler von positiven Erlebnissen (Erfolg bei Kunststücken, Spaß mit dem Tier)

  • Streitschlichter und Stressreduktion (Die Anwesenheit des Hundes entspannt oft kritische Situationen und bringt Emotionen „runter“)

  • Trost und Beruhigung (Luna und Flocke lassen Körperkontakt sehr gerne zu und genießen diesen auch)

  • Keine Bewertung oder Ablehnung durch das Tier, weder Verbal noch Nonverbal (Luna und Flocke beurteilen und bewerten Menschen nicht, wer gut zu ihnen ist wird sofort angenommen)

  • Zulassen von Körperkontakt und erlauben von Gefühlen (Der Körperkontakt kann selbst bestimmt werden und wird nicht als Übergriffig erlebt)

 

Konkrete Angebote und Projekte:

  • Einführung von Luna und Flocke als Schulhund in der 5. Klasse: Ziel ist hier das kennen lernen der Hunde und dem „artgerechten“ Umgang mit einem Hund. Die Kinder erarbeiten u.a. mit mir gemeinsam Regeln im Umgang mit Luna und Flocke.

  • Tag der Offenen Tür, Einschulung der 5. Klässler; Elternabend: Vorstellen meiner Person und des Konzeptes tiergestütztes Arbeiten, sowie teilweise der Hunde selbst.

  • Einsatz im Klassenrat und beim Sozialen Lernen: u.a. Erlernen des Umganges mit den Hunden, erarbeiten von Regeln, Spaß, Spiel und Türöffner

  • Ausflüge und Freizeiten: u.a. Übernahme von Aufgaben bezüglich der Versorgung der Hunde (Gassi gehen, Fressen geben, Fellpflege etc.)

  • Hausbesuche: Wenn gewünscht und möglich bringe ich Luna oder Flocke mit

  • Alltagsbegleitung: Die Hunde begleiten mich wenn möglich in allen Situationen und sind für mich vor allem im täglichen Kontakt mit den Kindern und Jugendlichen, (in den Pausen, bei Gesprächen etc.) ein wichtiges Bindeglied und Eisbrecher

 

Grenzen und Grundlagen im Einsatz von Luna und Flocke:

Wichtig im Einsatz von Luna und Flocke ist es genau darauf zu achten, dass diese in dem sehr stressigen und komplexen Schulalltag ihre Auszeiten bekommt und dies die Kinder auch lernen zu erkennen und zu akzeptieren. Bei Angeboten bei denen ich selbst Aufgaben übernehme und die Hunde mich eher ablenken bzw. zusätzlich fordern würden bzw. der Stressfaktor für die Hunde zu hoch wäre (Kletterangebote, Tag der Offene Tür etc.) werden diese nicht eingesetzt.

Bei Allergien oder Phobien setze ich die Hunde selbstverständlich nicht im Klassenkontext ein. Die Hunde laufen ohne mich nicht im Schulhaus herum, sondern befinden sich bei mir im Büro bzw. an der Leine wenn ich mich im Schulhaus bewege.

Grundlagen für den Einsatz der Hunde sind die regelmäßigen Tierärztlichen Kontrollen, regelmäßigen Impfungen und Entwurmungen, sowie das Einhalten sämtlicher notwendiger und vorgegebener Hygiene Standards.

Danke der Schulleitung, dem Lehrerkollegium, meinen KollegInnen der Schulsozialarbeit und meiner Arbeitgeberin für die fachliche Aufgeschlossenheit bezüglich der Umsetzung des dargestellten Konzeptes.

Für Rückfragen, Austausch und Rückmeldung, stehe ich sehr gern zur Verfügung.

 

Stefanie Ehrlich

Schulsozialarbeiterin am Theo